Eine wahre Geschichte, wie sie das Leben schrieb.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.04.2005

Mehrfach war MS in der letzten Zeit krank und fehlte beim Tauschsonntag. Viele Sammlerfreunde haben vergeblich versucht, ihn anzurufen oder auch persönlich zu erreichen. So erging es auch mir, wollte ich doch MS nach der letzten Vorstandssitzung besuchen und mich nach seinem Befinden erkundigen. Sogar auf eine Postkarte (die jeder Briefkastenleerer lesen konnte) kam keine Reaktion.

Als ich am 10.04. nach dem Tauschen wieder zu seiner Wohnung fuhr, kam ein böses Erwachen - jetzt fehlte das Klingelschild - kein Briefkasten mehr vorhanden. Die Nachfrage im Haus (8 Familien) ergab: "Ja wir haben ihn auch schon lange nicht gesehen, zwischendurch war auch mal der Briefkasten voll - dann aber wieder leer." So erbat ich die Adresse seines Vermieters, eine Immobilienfirma in Krefeld. An diese schickte ich nachmittags ein Fax, mit der Bitte um Aufklärung der Sachlage und Hinweis, dass MS noch Unterlagen (u.a. die komplette Chronik) des Vereins hätte.

Am 11.04. morgens kam von dort ein Anruf: "Wir wurden auch nur amtlich informiert, dass MS am 05.03. verstorben sei, mehr können wir nicht sagen". Durch einen Anruf beim Standesamt wurde mir diese traurige Nachricht bestätigt, zwecks weiterer Informationen solle ich mich jedoch ans Ordnungsamt wenden. Dieses Gespräch hat mich total umgehauen, hieß es doch plötzlich: "Im Krankenhaus sind zwei mit gleichem Namen gestorben". Wie sich rausstellte war die 2. Person die Mutter von MS, die eine Etage höher zur gleichen Zeit im gleichen Krankenhaus lag. Beide wussten jedoch nichts von der Anwesendheit des Anderen.

So wurden beide, Mutter und Sohn, vom Ordnungsamt amtlich eingeäschert und in einem Doppel-Urnengrab am 24.03. beigesetzt. Bei der Beerdigung (von der ja keiner was wusste) waren DREI Personen anwesend. Aber es sollte noch schlimmer kommen.

Das nächste Telefonat führte ich mit dem Nachlassgericht. Ich wäre der erste, der sich nach MS erkundigen würde, war die Antwort. Es sind keinerlei Verwandten ausfindig zu machen. Da an Wertsachen nur einige Briefmarken und Alben gefunden wurden, hat das Gericht einen Nachlassverwalter bestellt. Dieser sei aber bis Anfang Mai in Urlaub (Kanada), also konnte ich mein Begehren nur auf einen Anrufbeantworter sprechen.

Meine weiteren Recherchen ergaben Folgendes: Die Briefmarken wurden vom Nachlassverwalter zwecks Begutachtung und Schätzung zu einem Versteigerer gebracht. Diese Marken, Alben und Ganzsachen, mit einem Ausruf von ca. 850 €, werden demnächst in einer Auktion in mehreren Losen angeboten. Mit dem Erlös soll dann u.a. die Beerdigung bezahlt werden.

Damit die restliche Miete gedeckt würde, erhielt der Hausverwalter die Wohnung umgehend zurück, mitsamt allen Habseligkeiten von MS. Inzwischen wurde mir von dort bestätigt, dass die Wohnung ausgeräumt sei und alles entsorgt worden wäre. Es gibt nichts mehr von IHM - auch keine Vereins-Chronik.

Vom Ordnungsamt erfuhr ich dann das Aktenzeichen(!) der Beerdigung. Bei der Friedhofsverwaltung an der Preyerstraße konnte man mir auch die etwaige Lage des Grabes erklären. Meine Frau und ich machten uns auf die Suche und wurden nur durch die Mithilfe eines Friedhofsgärtners fündig. Da stand auf einer kleinen Holztafel "Hier ruhen MS und AS" ohne weitere Daten - davor lag ein ungepflegter Erdhügel. Wo sollten wir das mitgebrachte Grablicht hinstellen? Durch Mithilfe eines "Gärtners" konnten wir den Hügel zu einem Grab umgestalten. Alles wurde mit Rindenmulch bedeckt und am nächsten Tag stellten wir als letzten Gruß des Vereins noch eine Blumenschale auf das Grab. Mit der Pflege der Grabstätte bedankt sich der Verein bei MS.

Durch mittlerweile fast 50 Telefonate konnte Weiteres erkundet werden:
  • Es gibt einen Vetter in unserer Stadt, der auch noch nichts von dem Tod wusste. Durch ihn erhielten wir die Telefonnummer der Schwester von MS in Duisburg, sie weiß es jetzt auch - durch uns.
  • Eine mir bekannte Witwe hat die Briefmarkensammlung ihres verstorbenen Mannes (40 Alben) an MS zwecks Veräußerung (ohne jeglichen Nachweis) übergeben. MS ist es nun leider nicht mehr gelungen, diese Angelegenheit abzuschließen und ordnungsgemäß abzurechnen.
  • Ein ehemaliger Sammlerfreund hatte für MS einige Sammlungen ersteigert, er wird dieses Geld nicht mehr zurückbekommen, da auch er keinen Nachweis hat. MS hat auch kein Geld hinterlassen.
  • Die Katze von MS wurde ans Tierheim übergeben - auch sie kann uns nichts erzählen.

Wir bedanken uns ausdrücklich bei allen Stellen für die Auskünfte, die man uns entgegenkommenderweise gewährt hat. Ob diese zeitliche Abfolge so ihre Richtigkeit hat, möge jeder für sich selbst entscheiden. . . . .

MS - wir trauern um Dich.


Fazit